Schlagwort-Archiv: Spirituelles

Langes Glück

Ein Interview auf der Süddeutschen mit einem Glücksforscher, der eine Langzeitstudie zu der Frage begleitet, wie Menschen ein erfülltes Leben gelingt – Zitat:

„Das kurze Glück: ein Kletterer. Er denkt an nichts anderes als den nächsten Schritt und ist eins mit sich und der Welt. Sonst stürzt er ab. Das lange Glück: Einfühlungsvermögen und Reife.“

Frohe Ostern!

Heilig-Grab-Grotte

Heilig-Grab-Grotte, Karthaus im Schnalstal
(Foto: Rafael Gerstmeier)

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Quintessences*

The believer envelops that which is holy and its power with his belief. The recognition of the holy inspires certain feelings in the believer, and makes him behave and act in a particular way. Action is worship. As that which is holy can be thought of as a force, a force that can be pure or impure, but is always a force, it is relatively immaterial what actions are inspired by it, whether they take the form of positive worship or negative, magical, superstitious dealings: the egoistical will of the primitive is the decisive factor.

„I have a give and take relationship with him: help in return for a candle. The quantity and quality vary, as does the time of delivery. I set down the conditions as I think fit. A fulfillment of obligations from his side is never guaranteed. That is the risk I have to take in this deal.“

A saint doesn’t make you any richer and he doesn’t accept any money either. He’s not out to sell you anything! Half-baked gurus come along with all the answers even if I haven’t asked any questions. That is the difference between a religion and a travesty. And that is also the difference between a genuine saint and a fake. If someone instructs a fellow human being on what he is and isn’t supposed to do and tries to convince him that everything will be just fine if he just fulfills certain conditions and leaves his brain and his money behind on the doorstep – then such a person may be a slimy charlatan, but definitely not a saint.

Holy – a concept that is related to healing: to be whole, unscathed, complete, consummate. Holy people – these must be people in whom others find something that is missing in themselves: something they are not, that they need and crave. Through their whole-ness, holy men and women are in a position to share and impart some of their wholeness/holiness. They have access to something for which there is a deep-seated longing in human beings: they are able to make whatever this is accessible to others. Help provided in „becoming whole:“ physically whole, spiritually/mentally/psychically/emotionally whole, socially whole. If saints – who often lead martyrs‘ lives: maltreated, persecuted and murdered – are idols, then the longing must be related to psychic wholeness: to be so complete within themselves, so whole and round that the suffering and „unwholeness“ of this world become irrelevant.  – What does art have in common with the holy? Like the holy man, art opens the door to human experience beyond word and reason.

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*We wrote the introduction for the work of arts „Saints of Today“ of German artist Linda Schwarz in autumn 2003. It was the completion of some short texts which she then printed on her works. We called this introduction „Quintessences“ because it concentrates an intensive spiritual process of work.

German artist Linda Schwarz lives and works in Strasskirchen an der Donau and in Homburg am Main, Bavaria, Germany. Her German „Saints for Today“ comprises 18 unique art works shown in various exhibitions.

Saints for Today

Saints for Today is the theme German artist Linda Schwarz chose for the works of art she did in autumn 2003. We created a row of short texts for her, which she then printed on her works. She made the first run of originals while working in the USA – for these ones our texts were translated into English.

German artist Linda Schwarz lives and works in Strasskirchen an der Donau and in Homburg am Main, Bavaria, Germany. Her German „Saints for Today“ comprises 18 unique art works shown in various exhibitions.

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Quintessenzen*

Der Gläubige umgibt das Heilige und seine Kraft mit Vorstellungen davon; die Erkenntnis des Heiligen löst bestimmte Gefühle im Gläubigen aus; das Heilige veranlasst den Gläubigen zu einem bestimmten Verhalten und zu Handlungen. Handlung ist Kult. Da das Heilige als eine Kraft gedacht ist, die sowohl rein als unrein sein kann, immer jedoch als Kraft, bleibt das handelnde Gegenübertreten sich gleich, sowohl im positiven Kult als im negativen zauberischen, abergläubischen Handeln: Bestimmend ist das „egoistische Wollen des Primitiven“.

Ich gehe mit ihm eine Liefer- und Leistungsbeziehung ein: Hilfe gegen Kerze. Menge und Qualität variieren, ebenso der Zeitpunkt der Lieferung. Die Konditionen lege ich fest, wie ich sie für angemessen halte. Vertragserfüllung von seiner Seite ist nicht gewährleistet. Das ist mein Risiko bei dem Geschäft.“

Ein Heiliger bringt einem kein Geld ein und er nimmt auch kein Geld an: Er verkauft nichts! Halbgare Gurus kommen daher und beantworten ALLES, selbst wenn ich nicht danach gefragt habe. Das ist der Unterschied zwischen einer Religion und einer Afferei. Das ist auch der Unterschied zwischen einem echten Heiligen und einem falschen. Wenn einer einem Mitmenschen vorschreibt, was er zu tun und zu lassen hat, und ihm weismachen will, dass ALLES einfach und gut ist, wenn er nur diese und jene Bedingung erfüllt und sein Hirn und sein Geld an der Türe dort abgibt – dann ist dieser eine ein schmieriger Scharlatan, aber ganz gewiss kein Heiliger.

Heilig – das hat etwas mit Heilung zu tun: heil sein, unversehrt sein, ganz sein, vollkommen sein. Heilige – das müssen Menschen sein, in denen andere Menschen etwas finden, was ihnen fehlt: was sie nicht sind, wessen sie bedürfen, wonach sie sich sehnen. Heilige sind durch ihr Heilsein in der Lage, etwas davon abzugeben und zu vermitteln. Sie haben einen Zugang zu etwas, worauf sich vielleicht ein tiefes inneres Sehnen der Menschen richtet: Sie vermögen diesen Zugang für andere zu eröffnen. Geleistete Hilfe zum „Heilwerden“: körperlich heil, seelisch heil, zwischenmenschlich heil. Wenn Heilige – die ja oft als Märtyrer daher kommen: geschunden, geplagt und umgebracht – Vorbilder sind, dann gilt das Sehnen wohl eher dem seelischen Heil: Innerlich so integer sein, so ganz und rund, dass das weltliche, hiesige Leid und „Unheil“ irrelevant wird. – Was hat Kunst mit dem Heiligen gemeinsam? Kunst vermittelt, wie der Heilige, einen Zugang zu menschlichen Erfahrungen jenseits von Wort und Ratio.

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*Wir verfassten den einleitenden Text zu der Arbeitsserie „Heilige für heute“ der Künstlerin Linda Schwarz im Herbst 2003 als Abschluss einer Reihe kleiner Texte, die sie auf ihre Bilder aufcollagierte. „Quintessenzen“ haben wir diesen Text genannt, weil in ihm ein mehrwöchiger und intensiver spiritueller Arbeitsprozess verdichtet ist.

Heilige für heute

Heilige für heute heißt das Thema, das die Künstlerin Linda Schwarz für eine Arbeitsserie wählte. Wir erstellten eine Reihe kleiner Texte dazu, die sie auf ihre Bilder aufcollagierte. Linda Schwarz lebt und arbeitet in Homburg am Main. Die Arbeitsserie „Heilige für heute“ umfasst 18 Unikate und wurde in mehreren Ausstellungen gezeigt.

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© 2003 DIAGNOSIS