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Sonntagsbeilage

Die „Sonntagsbeilage“ war mir in meiner Kindheit immer das Liebste an der Tageszeitung. Die Wochenendausgabe war in der Regel dicker als die normalen paar Blätter unter der Woche, schon allein wegen der Anzeigen. In der Sonntagsbeilage war das Fernsehprogramm für die kommende Woche (es gab nur drei Sender) und der Kulturteil, worin besprochen wurde, was es eben zu besprechen gab: Eine Aufführung am Stadttheater, eine Ausstellung in der Kunsthalle; ein historischer Artikel des Herrn Stadtarchivars; nicht fehlen durfte der Fortsetzungsroman, mehrere Spalten lang; auch wichtig: die Kinderseite mit einer Bildergeschichte zum Beispiel vom „Kleinen Herrn Jacob“ (wir sind noch in der Vor-Hägar-Zeit), eventuell war auch Charlie Brown vertreten. Außerdem ein Bild, das zu ergänzen war, indem man die mit Zahlen von eins bis fünfzig bezeichneten Punkte miteinander verband (möglichst ohne abzusetzen!) und – was ich am liebsten mochte – das Bilderpaar „Finde die fünf Unterschiede“: eine einfache Zeichnung auf der einen Seite, daneben noch einmal abgedruckt mit fünf mehr oder minder versteckten Veränderungen.

Es gab auch eine Sendung „Sonntagsbeilage“ im Radio, ich glaube auf Bayern 1. Da wurden Texte zitiert, Gedichte vorgetragen, kleine Szenen gebracht, verschiedenste Musik gespielt – querbeet, von albern bis besinnlich, manchmal mit jahreszeitlichem Bezug, etwa zu Weihnachten oder ein Osterhasen-Spezial. Dieses Radioprogramm hatte einen festen Platz im Familienleben; die Familie spielte nebenher Karten oder las Zeitung oder hing einfach „nur so“ am Sonntagnachmittag in den Sesseln.

In gewisser Weise sind die Beiträge auf dem DIAGNOSIS-Blog der Sonntagsbeilage meiner Kindheit und frühen Jugend ähnlich: ein Sammelsurium unterschiedlichster Beiträge. Ich werde mich künftig hier an einer Sonntagsbeilage versuchen und regelmäßig sonntags etwas veröffentlichen – sei es eine Lesefrucht, etwas Selbstgeschriebenes, ein Fundstück aus dem Netz; vielleicht gibt es auch ab und an eine weitere Sonntagsmusik. Es ist kein Programm damit verbunden, kein Ziel, keine weitere Absicht, als zu unterhalten und zum Lächeln oder Nachdenken anzuregen. Ich hoffe es gefällt. (mg)

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Langes Glück

Ein Interview auf der Süddeutschen mit einem Glücksforscher, der eine Langzeitstudie zu der Frage begleitet, wie Menschen ein erfülltes Leben gelingt – Zitat:

„Das kurze Glück: ein Kletterer. Er denkt an nichts anderes als den nächsten Schritt und ist eins mit sich und der Welt. Sonst stürzt er ab. Das lange Glück: Einfühlungsvermögen und Reife.“

Frohe Ostern!

Heilig-Grab-Grotte

Heilig-Grab-Grotte, Karthaus im Schnalstal
(Foto: Rafael Gerstmeier)

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