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Sonntagsbeilage, 5. Juli 15

Das System hat den Vorrang

Seit 1870 haben sich Erfinder, Wissenschaftler und Systematiker damit beschäftigt, die technologischen Systeme der modernen Welt zu schaffen. Heute lebt der größte Teil der industrialisierten Welt in einem künstlichen Umfeld, das von diesen Systemen strukturiert wird, und nicht in der natürlichen Umwelt vergangener Jahrhunderte. […] Aber bis heute denken wir zuwenig über die Einflüsse und die Gestalt einer Welt nach, die in große technologische Systeme gegliedert ist. Gewöhnlich machen wir den Fehler, die moderne Technologie nicht mit Systemen in Verbindung zu bringen, sondern mit Gegebenheiten wie dem elektrischen Licht, Radio und Fernsehen, dem Flugzeug, dem Automobil, dem Computer und den nuklearen Fernlenkwaffen. Wenn wir die moderne Technologie nur in einzelnen Maschinen und Geräten erblicken, dann übersehen wir die tieferen Strömungen der modernen Technologie, die in dem halben Jahrhundert nach der Einrichtung der Erfinderfabrik in Menlo Park von Thomas Edison an Stärke und Zielrichtung zugenommen haben. Heute sind Maschinen wie das Automobil und das Flugzeug allgegenwärtig. Da sie mechanisch und greifbar sind, fällt es uns nicht allzu schwer, sie zu verstehen. Aber Maschinen wie diese sind gewöhnlich nur Bestandteile straff organisierter und von Menschen beherrschter technologischer Systeme. Solche Systeme sind schwer zu verstehen, weil zu ihnen auch komplexe Bestandteile wie Menschen und Organisationen gehören und weil sie oft aus physikalischen Komponenten bestehen wie den chemischen und elektrischen, die nicht nur mechanisch sind. Große Systeme – für die Energieversorgung, die industrielle Produktion, die Kommunikation und den Transport  – stellen den Kern der modernen Technologie dar. Wie Alan Trachtenberg gesagt hat, sind der ‚Westen‘ und die ‚Maschine‘ die Symbole, die ihnen die Perspektiven für das Begreifen ihrer frühen und jüngsten Geschichte geben. Nachdem ein Jahrhundert lang technologische Systeme entwickelt worden sind, könnten wir durchaus ‚das System‘ als das Kennzeichen ihrer Zivilisation ansehen.“*

Dies schreibt der amerikanische Technikhistoriker Thomas HUGHES (1923-2014) in seinem zuerst vor 26 Jahren erschienenem Buch zur Geschichte der modernen, amerikanischen, Technologie.
Heute verleibt sich das „System“ den Menschen langsam aber sicher ein, jedenfalls arbeiten Google und Konsorten daran. Alle Menschen haben heute gefälligst ein „i-phone“ mit sich herumzutragen, sollen den Computer als Brille oder als Armbanduhr getarnt „am Mann“ mit sich herumführen, während sie sich im voll überwachten öffentlichen Raum bewegen, jederzeit voll vernetzt. Computer steuern alle möglichen Dinge; totale Kommunikation bedeutet, dass alle Computer mit einander „reden“ können, einander erkennen und berücksichtigen, vom autonomen Automobil bis zum Kampfroboter (im Grunde ja nur eine andere Anwendung), vom Warenbegleitsystem bis zur Gesichtserkennung – egal, was oder wer sortiert wird, sortiert muss werden …
Cui bono? Wem nützt’s? Braucht man das? Wer eigentlich baut diese Systeme, wer profitiert? Wer entscheidet, wie sortiert wird?

*HUGHES, Thomas P.: Die Erfindung Amerikas. Der technologische Aufstieg der USA seit 1870, München 1991, S. 190. Zuerst: American Genesis. A Century of Invention and Technological Enthusiasm. 1870-1970, 1989.

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Sonntagsbeilage, Montagsausgabe, 16. Februar 15

Grad‘ noch so … auch diesmal verspätet, ich bitte das zu entschuldigen. Die wochenendliche Tiefenentspannung hat mich schlicht und einfach den sonntäglichen Abgabetermin vergessen lassen. Aber nichtsdestotrotz erscheint natürlich eine Sonntagsbeilage.

Diesmal soll eine der drängenden Fragen des modernen Lebens gelöst werden:
Wo kommen eigentlich die kleinen Bonbons her?
Der freundliche Mann aus Montreal erklärt und zeigt uns das im folgenden Video*.

* Many thanks to our friend LX for providing the link!

(mg)

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Mehr Liebe zum Volk*

Beim Kongress für Volkskunde 2003 in Berlin tat Martin Scharfe am Ende seines Abschlussvortrags eine denkwürdige Äußerung. Er sagte, er wünsche sich von den heutigen Volkskundlern wieder „mehr Liebe zum Volk“. Unter den Zuhörern stieß diese Aussage auf Befremden und Unverständnis, zumindest auf Verwunderung.

Was meinte er damit?

In den vergangenen Jahren habe ich verschiedentlich klagen hören, die jungen Leute vom Fach verstünden sich nicht mehr aufs Quellenstudium – sie könnten diese nicht einmal mehr lesen. Woran das liegen mag, sei dahingestellt. Ich möchte hier jedoch auf die Verführung aufmerksam machen, die der Umgang mit PC und Internet mit sich bringt, und auf den überhöhten Stellenwert, der diesen unbestreitbar nützlichen Hilfsmitteln eingeräumt wird. Es wird suggeriert, jegliches Wissen sei schnell und mühelos abrufbar und es erübrige sich, selbst eigene, zeitraubende und aufwändige Nachforschungen vor Ort zu betreiben: Oben wird ein Knopf gedrückt, und unten „fällt Geschichte raus“.
Dieser Suggestion erliegen allerdings nicht nur die jungen Leute vom Fach.

Ein Hilfsmittel wie z.B. eine Datenbank, das für naturwissenschaftliche Versuchsreihen taugt und für betriebswirtschaftliche Auswertungen entwickelt wurde, muss der Erschließung geschichtlichen Materials nicht frommen. Lebendige Menschen und historische Quellen – letztere zu Schrift, Bild und Gegenstand gewordene Zeugnisse einst lebender Menschen – scheinen mir eines gemeinsam zu haben: Sie sträuben sich dagegen, klassifiziert und katalogisiert, standardisiert, vereinheitlicht und digitalisiert zu werden. Wer sie auf Zahlen und Daten reduzieren zu können glaubt, wer sie zu bloßen Objekten degradiert, dem geben sie ihr innerstes Wesen nicht preis. Sie lassen lediglich dem Klassifizierenden den irrigen Glauben, er habe ihr Wesentlichstes erfasst: Er hält den Schatten für die Wirklichkeit, verwechselt die Datenbank mit dem Original, das Hilfsmittel mit dem eigentlichen Forschungsgegenstand.

Vielleicht haben manche geisteswissenschaftlichen Fächer in jüngster Zeit unter anderem deswegen so sehr an Boden verloren, weil sie – dem wachsendem Erfolg und Einfluss naturwissenschaftlicher Forschung hinterherhechelnd – unbesehen und unkritisch Methoden kopieren und Hilfsmittel anwenden, die ihrem eigenen Gegenstand nicht unbedingt angemessen sind, und weil sie darüber hinaus Fragestellungen und Sichtweisen übernehmen, die diesen Gegenstand schlicht verfehlen. Vielleicht hat so manches Fach gar seinen ursprünglichen Gegenstand aus den Augen verloren?

Denn die digitale Nutzbarmachung historischer Quellen birgt nach meinem Dafürhalten noch eine weitere Gefahr: Manchmal könnte man meinen, der Gegenstand historischer und volkskundlicher Forschung erschöpfe sich in Archivalien und Museumsobjekten, und es gelte nur, deren Informationsgehalt (digital) aufzubereiten und abrufbar zu machen. Die Erschließung historischer Quellen gerät durch eine solche Bearbeitung leicht zum Selbstzweck und wird dadurch freilich als mühsam und lästig empfunden. Die Quelle – in handliche, vereinheitlichte Einzelteile zerlegt – wird auf Zahlen und Fakten reduziert. Der eigentliche Wert der Quelle, ihre Aussagekraft für eine Verortung, ihren „Sitz im Leben“ – im Original, im Zusammenhang und zwischen den Zeilen gelesen – wird durch diesen Focus vernachlässigt.

Die Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Gegenstand der Forschung findet durch die so entstehende Distanz zu einer derart bearbeiteten und genutzten Quelle nicht statt; es entfällt die Notwendigkeit, selbst zu denken, Stellung zu beziehen.

Doch auch Archivalien und museale Objekte sind nur Hilfsmittel – kostbare zwar und oft einzigartige, die es zu bewahren gilt. Denn dienen sie nicht lediglich dazu, vergangenes menschliches Leben, Denken und Handeln in seinen Zusammenhängen zum Erkenntnisgewinn für gegenwärtige und zukünftige Generationen zu erschließen? Gilt es nicht, die Menschen, die hinter diesen Quellen verborgen sind, in ihrem Facettenreichtum sichtbar zu machen und zu würdigen?

Vielleicht wünschte sich Martin Scharfe auch in dieser Hinsicht von den heutigen Volkskundlern wieder „mehr Liebe zum Volk“.

*Vorwort von Gabriele Gerstmeier zum „Projekt des Bezirks Unterfranken: Digitale Erfassung von Gewerbestatistiken der ersten Hälfte des 19. Jhs. aus Archivalien des Staatsarchivs Würzburg“, bearbeitet von Gabriele Gerstmeier und Matthias Gorzolka, unveröffentlichte begrenzte Auflage, Gerbrunn 2006.

(DIAGNOSIS-Lesefrucht der 28. Kalenderwoche 2006)

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Das oben zitierte Vorwort entdeckte ich beim Stöbern in den Lesefrüchten der ehemaligen DIAGNOSIS-Website. Ich hatte es vergessen – doch während ich es las, hatte ich plötzlich wieder den Tagungssaal des damaligen Kongresses vor Augen; die Unruhe, die durch die Stuhlreihen wogte nach Scharfes Worten; den Volkskundler-Kollegen, der auf der Heimfahrt im Zug sagte: „Ich weiß nicht, was der wollte – ich bin Wissenschaftler.“

Ich erinnerte mich beim Lesen auch an die Situation der Geisteswissenschaften 2006: Die fuhren gerade mächtig in den Keller, alle schrien nur noch nach Biomedizinern und Naturwissenschaftlern; in den Jahren davor waren – im Rahmen der mit der damaligen Rezession begründeten Sparmaßnahmen erst im kulturellen, dann im sozialen Bereich – die meisten Stellen für Geisteswissenschaftler sowieso gestrichen worden; die verdingten sich als Spüler, Taxifahrer und Ähnliches oder gingen als Arbeitslose nach den Segnungen der Schröder’schen Agenda 2010 sofort in Hartz IV.

Elf Jahre nach dem Kongress und acht Jahre nach diesem Vorwort sehe ich sowohl die eine Aussage – das Für-wahr-und-einzig-Halten digitaler Quellen (Internet!) – als auch die andere – den Absturz der Geisteswissenschaften – bestätigt. Leute, die zu denken gelernt (sic!) haben, sind heutzutage offensichtlich überflüssig. Wie sehr – und für wie doof man sie außerdem hält -, lässt sich an einem Artikel für geisteswissenschaftliche Berufseinsteiger in „Die Zeit“ ablesen: Hohn gebrüllt!**

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**… und dem Herrn Vonhoff vom BDS den doppelten Effenberger gezeigt.

Preise

1986, noch während des Studiums, eröffnete ich ein Schreibbüro mit Lektorat. Eine der ersten Kundinnen war eine junge Frau, die ihre Abschlussarbeit getippt haben wollte. Als ich ihr den sorgfältig kalkulierten, durchaus marktüblichen Preis dafür nannte, erbleichte sie: “Waas! Was ist denn da so teuer dran? Das Papier?”

Wenn ich mich heute daran erinnere, fällt mir der folgende Witz dazu ein:*

In einem podolischen Nest bleibt ein Reisender mit seinem Automobil stecken. Alle Mühe, den Wagen selber zu reparieren, ist vergeblich. Man ruft den jüdischen Dorfklempner. Dieser öffnet die Motorhaube, blickt hinein, versetzt dem Motor mit einem Hämmerchen einen einzigen Schlag – und der Wagen fährt wieder!  “Macht 20 Zloty”, erklärt der Klempner. Der Reisende: “So teuer?! Wie rechnen Sie das?” Der Klempner schreibt auf:
Gegeben a Klopp   1 Zloty
Gewußt wo          19 Zloty
Zusammen          20 Zloty

*Quelle: Jüdische Witze. Ausgewählt und eingeleitet von Salcia Landmann, 18. Aufl., München 1976, S. 64/65.

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Liebeserklärung an Gerbrunn

Die Mediatorin wohnt in einem Hochhaus, das außen und innen bunt ist. Außen ist es in verschiedenen Gelb- und Orangetönen gestrichen, mit roten und blauen Balkonen dazwischen. Von Weitem leuchtet es durch die Landschaft. Innen wohnen Menschen unterschiedlichster Couleur nach dem Motto „leben und leben lassen“. Manche sieht sie häufig, manche selten, manche nie. Zu den einen und anderen hat sie nachbarschaftlichen Kontakt. Freundlich gegrüßt wird immer.

Ein so buntes, tolerantes Miteinander ist nicht selbstverständlich. Als sie damals, vor gut dreizehn Jahren, auf Wohnungssuche war, schaute sie sich auch eine Wohnung in einem anderen Hochhaus an. Darin waren der Aufzug und die Flure mit braunem Teppichboden ausgelegt, vor den Wohnungstüren standen gehämmerte Kupfervasen mit Plastikblumen, an den Wänden hingen billige Drucke und Kupferreliefs. Es roch so muffig, wie es spießig wirkte. Die Wohnung war entsprechend. Nicht sehr geneigt, sie zu nehmen, fragte sie nach der Besichtigung vor der Haustüre unten noch den Vermieter, was denn für Leute im Hause wohnten. „Nur anständige Leute!“, sagte er im Brustton der Überzeugung, „da, gucken Sie hin“ – und er wies auf die vielen Klingelschilder – „nur deutsche Namen!“ Das war’s dann.

Die Mediatorin hat eine sehr ruhige Wohnung hoch oben. Sie sieht auf der einen Seite über den Ort hinweg bis hinüber zur Frankenwarte. Auf der anderen Seite blickt sie auf die Roßsteige und die Weinberge hinauf zum Flürle, darüber grüßt das Windrad vom Gieshügel. Früh scheint die Sonne in ihr Schlafzimmer, abends versinkt die Sonne am Horizont vor ihrem Balkon. Oft geht sie in den nahen Weinbergen und Feldern rund ums Gut spazieren und genießt das Grün der Landschaft, den Blick in die Ferne ringsum. Im Herbst und Winter scheint hier oben schon die Sonne, während sie über dem Maintal noch die Nebelschwaden wabern sieht; im Sommer, wenn unten im Tal stickige Hitze zwischen den Häusermauern der Stadt steht, weht oben im Dorf stets ein leichtes Lüftchen.

Hier scheint die Sonne öfter, die Luft ist besser, die Menschen sind freundlicher. Reichlich Grün umspielt die Häuser, versteckte Pfade und Treppen zwischen den Häuserreihen verbinden Straßen und Ortsteile. Ihren Beratungsraum hat die Mediatorin lange gesucht und auf dem sonnigen Plateau im Einkaufszentrum in der Mitte Gerbrunns vor eineinhalb Jahren gefunden. Dort gibt es eine kleine Fußgängerzone, einen offenen Platz, der fast den ganzen Tag sonnenbeschienen ist, ein Café, Geschäfte und Ärzte. Sie sieht die Menschen an ihrem großen Fenster vorbeigehen, die hereinschauen, lächeln und grüßen. Die Mediatorin grüßt zurück; oft hält sie ein Schwätzchen mit ihnen, wenn sie gerade vor der Türe ist; manche kommen auch auf ein Schwätzchen herein. Sie fühlt sich wohl in dieser lebendigen, entspannten Atmosphäre; hier lässt es sich gut arbeiten.

Die Einwohnerschaft der Gemeinde ist so bunt wie die Bewohner des Hochhauses. Es gibt die Alteinsässigen, junge wie alte. Bedingt durch den nahen Campus und die Schulen wohnen hier viele Universitätsangestellte, Lehrer, Studenten. Es gibt ein Neubaugebiet mit jungen Familien, ein Seniorenheim und ein Studentenwohnheim. Menschen aus anderen Ländern der Welt leben hier ebenso selbstverständlich wie die Alteingesessenen; reich und arm mischt sich darunter.

Die Infrastruktur ist gut: Neben einer Grund- und Hauptschule und den Kindergärten gibt es ein Hallenbad, eine Gemeindebücherei und ein Jugendzentrum, ausreichend ärztliche Versorgung und andere Heilberufe, die wichtigsten Geschäfte, Banken und Supermärkte. Es gibt Lokale und, nicht zu vergessen, mehrere Winzer, die mit ihrem Weinverkauf und den Heckenwirtschaften auch viele Gäste von außerhalb anlocken. Im Gewerbegebiet und im Ort selbst haben sich verschiedene Unternehmen und freien Berufe niedergelassen. Das Gemeindeleben wird bereichert durch Vereine und Städtepartnerschaften, aktive Bürger und einen engagierten Bürgermeister.

In die anliegende fränkische Metropole – die jeweiligen Ortsschilder sind gerade einmal einen Kilometer auseinander – fährt alle 20 Minuten ein Bus bis spät in die Nacht, die zahlreichen Bushaltestellen sind zu Fuß schnell erreicht. Mit dem Fahrrad schafft man spielend das Nötige, sogar die Stadt und die umliegenden Gemeinden, nur zurück ist es wegen der Steigungen etwas happig – wer das nicht kann, steigt samt Rad in den Bus ;-)

Die Mediatorin fühlt sich zuhause in ihrem liebenswerten, lebenswerten Ort: Gerbrunn!

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Schaufenster-Vergnügen

Das Spielraumfenster ist, genau genommen, ein Schaufenster: Der Raum war ursprünglich als Ladenlokal konzipiert. Ich liebe dieses große Fenster, das Draußen und Drinnen verbindet, mir den Blick hinaus auf die vorbeigehenden Menschen und diesen den Blick zu mir herein und auf mich erlaubt; Blickkontakte, freundliches Zunicken und Zulächeln ermöglicht. Zwar kann ich den Raum vor neugierigen Augen schützen. Doch wenn ich alleine darin bin, lasse ich ihn meistens offen und transparent.

Ich experimentiere damit, mein Spielraum-Schaufenster zu dekorieren – mit Vergnügen!

So sieht die aktuelle Deko aus:

Schaufensterdeko Anfang Dezember

Detailansicht:

Detail Schaufensterdeko

:-)

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Weiß der Henker!

Heute putzte ich den Spielraum und das Schaufenster innen und außen. Manchmal, wenn ich so da draußen rumschaffe, fasst sich der eine oder die andere ein Herz und spricht mich neugierig an: „Was ist denn das, was Sie da machen?“ Ich erkläre freundlich, dass ich Mediatorin bin: „Ich vermittle, wenn sich Leute streiten …“ „Ah so – na, des brauch i Gott sei Dank net!“ Und dann verabschieden sich die meisten so eilig, als hätte ich gesagt, ich sei der Henker. So viel zum Image von Menschen, die professionell mit Konflikten zu tun haben.

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Lang Lang

Das Leben besteht nicht immerzu aus appetitlichen Häppchen; manchmal gibt es uns dicke Brocken zu schlucken und nicht selten ist auch eine fette Kröte dabei.

Der Pianist Lang Lang gab in München beim „Junior Music Camp“ einen Meisterkurs für den pianistischen Nachwuchs (nettes Video). Im anschließenden Interview mit einer Moderatorin des Senders Bayern 4 Klassik sagte er zum Schluss, als er danach gefragt wurde, welchen Rat er Kindern und Jugendlichen geben würde, die von der großen Karriere träumen:

„Das klingt jetzt ein bisschen langweilig, aber es braucht Zeit, das ist die Realität. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich es gehasst, wenn jemand gesagt hat: Es dauert lange, bis man wirklich etwas erreicht hat; es kann das ganze Leben lang dauern. Aber es ist wahr. Ich werde jetzt auch schon schrecklich langweilig, was das angeht, aber es ist wirklich so. Ich habe nie aufgegeben. Es gibt immer Zeiten, in denen es nicht so gut läuft, und nicht jeder Tag kann so sein, wie du ihn geplant hast. Als Kind versuchen wir alles perfekt zu machen. Manchmal ist es dann sogar mehr als perfekt und manchmal eben nicht. Damit müssen wir umgehen können. Ob gute oder schlechte Zeiten, wir müssen uns fokussieren. Unsere Profession sollte absolute Priorität haben, und wir dürfen nicht aufgeben. Das ist fast wie eine Ehe, wie in der Kirche, wenn du die Worte des Priesters wiederholen musst. Die Musik braucht die gleiche Aufmerksamkeit. Du musst mit vollem Herzen dabei sein, der Musik dein Leben widmen. Das brauchen wir. Das brauchen wir wirklich.“*

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

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*selbst transkribiert

German Genealogy: What’s in a Name

I’m sure there are tons of „how to“-instructions available on the net about genealogy in Germany – there is surely no need for another one. I would like to speak about German genealogy from the practising researcher’s point of view.

Let us assume that your forefathers emigrated from Germany sometimes in the 19th century. They went overseas by ship – and that means that there are good chances to find them in the passenger lists (have a look at Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven). You should know a year – or at least narrow down the year of their passage, it helps with the search.

But the most important thing is the name. The 19th century did not have something like a Duden (Ger., Eng.); there were no fixed rules of orthography. The way names were spelled can vary a lot, and names in these lists were often written down as they were heard. For example: “Schäfer” (shepherd) can be spelled “Schäffer”, “Sche(f)fer”, “Scho(f)fer”, even “Schif(f)er”.

A Franconian speciality is the difference between consonants pronounced “hard” and “soft”: For reasons unknown to me a written “B” is mostly pronounced “P”, the same goes for “G” and “K”, “D” and “T” – and of course vice versa, the written “hard” consonant is pronounced “soft”. And speaking about dialects: The emigrants from the South of Germany surely had difficulties to understand Northern Platt (correctly Niederdeutsch (Ger., Eng.)), and the variation rich Franconian dialects surely were of limited beauty to the Hamburgian officials, who had to write down these names.

Another very important name is the one of the place of origin. Normally the name of the location the emigrants come from is recorded in the passenger lists, but sometimes only a vague description or just the name of a province is given (“Ostpreussen”). Family lore and tradition may have preserved and passed down  the place of origin’s name over the generations – but from my experience, I have to say that this is not always a reliable source of information.

You may be lucky and letters of the emigrants’ family in the old Heimat survived and there may be a written name of a place. If you are in doubt about it, let someone who knows the old handwritings have a look on it: A single letter can make a huge difference! It is a difference whether a place is for example called “Unterregenbach” or “Unterengenbach” – they belong to different administrative bodies, different church parishes – and hence the records are kept in different places.

A further complication arises from the fact, that some names are not unique: A place called “Haslach” can be found at least more than eight times in different parts of Franconia. It is very important to find the right place of origin; this saves a lot of fruitless, frustrating and expensive research. Since the middle of the 19th century, a lot changed in the public administration and in the administration of the two large churches here too. From the kingdom of Bavaria – with some Franconian specialties – via the Deutsche Reich from 1871, through the whole brutal 20th century up to now, places changed names, were incorporated into larger administrative entities, or even stopped existing at all. The Gebietsreform of the 1970s brought the last major change in this respect. Parishes and Dekanate were changed, reformed, united, and separated again. But the 19th century knew these reforms too: Between the newly formed kingdoms of Bavaria and Baden the frontier was corrected in the 1850s. This led to the fact that church records of places originally belonging to Bavarian/Franconian parishes today are kept in Karlsruhe in the Landeskirchliche Archiv.

All I want to say is that the time used to identify the place or origin of the family – which is the starting point for a genealogical research and important for finding the records – is well used time. If one has the correct family name and knows the right place of origin, a research can be started – let’s look for the German genealogical records. (mg)