Spurensuche am Haugerring

Der irische Nationaldichter John Milington Synge*

Am 24. Januar 1894 wird der irische Musikstudent John Milington Synge in Würzburg eingeschrieben. Er stammt aus Rothfanhan, einem südlichen Vorort von Dublin, wo er 1871 geboren wurde. Synge zog studierend durch Europa und machte dabei auch in Würzburg Station. Er bezog hier eine kleine Wohnung in dem Haus Haugerring 16.

Für Synge wurde sein relativ kurzer, sechsmonatiger Aufenthalt in Würzburg zum Wendepunkt in seinem Leben. Er musste erkennen, dass sein nicht zu bezwingendes Lampenfieber ein öffentliches Auftreten für ihn unmöglich machte. Sein Traum von der Karriere als Konzertpianist zerplatzte, und als Konsequenz brach er sein Klavierstudium ab. Stattdessen wandte er sich der Sprache als Ausdrucksmittel seines künstlerischen Wollens zu. Er entdeckte für sich die Gedichte Walthers von der Vogelweide und verbrachte viel Zeit im Lusamgärtchen mit der Lektüre der originalen Texte und mit Übersetzungsversuchen ins Englische. In dieser Zeit entstanden auch eigene Dichtungen, in denen Synge innere Empfindungen und Eindrücke von Würzburg und seiner Umgebung festgehalten hat.

Im Sommer des Jahres 1894 verließ Synge die Residenzstadt, um sich nach Paris zu wenden und dort den bekannten Dramatiker Yeats zu treffen. Er schrieb später einige Theaterstücke und sorgte für einen handfesten Skandal in Dublin, denn er beschrieb „irische Helden“ als notorische Trunkenbolde und Kneipensitzer.

Synge stirbt 1909 38-jährig in Dublin an Krebs. Leider haben sich Pläne der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg, am Gebäude Haugerring 16 (1894, heute Haugerring 5) eine Gedenktafel, eine Plakette oder einen sonstigen Hinweis auf Synges Aufenthalt anzubringen, bisher nicht verwirklichen lassen.

*Matthias Gorzolka: Der Haugerring damals und heute, Würzburg 2005 (Historische Schriftenreihe: Die WVV im Wandel der Zeit, Band 1), S. 15.

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