Wer war eigentlich …

… Friedrich List (1789–1846)? Ein gebürtiger Schwabe!

Sohn eines Reutlinger Weißgerbers, sollte er in des Vaters Fußstapfen treten. Doch das Handwerk schmeckte ihm nicht, weshalb er in den öffentlichen Dienst wechselte, nebenbei studierte, in der Finanzverwaltung Karriere machte und mit 29 Jahren bereits die Professur für Staatsverwaltungswissenschaften in Tübingen erhielt. Als Abgeordneter im württembergischen Landtag machte er sich für Verwaltungsreformen, Demokratie und Freihandel stark, was ihm das Misstrauen des Landesherrn, König Wilhelms I. von Württemberg, eintrug, der ihn als Umstürzler zu zehn Monaten Festungshaft verurteilen ließ.

Damit begann für List ein unstetes Leben, und er fasste zeitlebens nicht mehr richtig Fuß. Er floh zunächst in benachbarte Länder, wanderte dann 1825 – mit 33 Jahren – in die USA aus, kehrte 1834 als amerikanischer Staatsbürger zurück und lebte als amerikanischer Konsul in Leipzig, ab 1837 als Korrespondent in Paris und ab 1840 als Publizist in Augsburg.

All die Jahre beschäftigte er sich mit nationaler Wirtschaft und Politik, mit Zollwesen und Eisenbahnbau und stellte wirtschaftliche Entwicklungstheorien auf. Er konnte die Tinte nicht halten, publizierte fortlaufend und hinterließ ein umfassendes Werk an staatswissenschaftlichen Schriften; eine Enzyklopädie der Staatswissenschaften gab er bereits 1834 heraus. Seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte er mit Vortragsreisen, auf denen er für seine politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen warb. Er fand wenig Gehör und beging 1846 Selbstmord.

Heute gilt Friedrich List als „einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts sowie Unternehmer, Diplomat und Eisenbahn-Pionier“, der „eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Liberalismus in Deutschland“ spielte. (Quelle: Wikipedia.de)

Deswegen ist er ein beliebter Pate für Wirtschaftsschulen, und auch so manches Straßenschild ziert sein Name – in direkter Gesellschaft anderer zeitgenössischer Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts wie Joseph von Eichendorff (1788-1857, Lyriker und Schriftsteller) oder Gregor Mendel (1822-1884, katholischer Priester und Naturforscher).

Ich würdige ihn hier, weil mein Spielraum in der Friedrich-List-Straße 7 liegt – und weil er ein Schwabe ist ;-) Ich frage mich, wie seine Familie all das erlebt hat – der Wikipedia-Artikel verweist auf eine Heirat und drei Kinder in der Tübinger Zeit, später wird die Familie nicht mehr erwähnt.

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